Oder warum man sich nicht alles gefallen lassen sollte

Michael Arnold

Wussten Sie eigentlich, dass Sie nichts müssen?

Hört sich das für Sie komisch an? Was will dieser Agenturfuzzi jetzt schon wieder, erst die Relevanz/Toleranz Geschichte und jetzt das. Lassen Sie es mich versuchen zu erklären. Die Tatsache, dass unsere Wirtschaft lange Jahre boomte und die Auftragsbücher voll sind oder waren, wir für Fachkräfte quasi Vollbeschäftigung haben und Unternehmen über ausreichend Mittel verfügen, um einen großen Mitarbeiterstamm zu beschäftigen, ist für Dienstleister wie uns – obwohl es auf den ersten Blick anders aussieht – eher Fluch als Segen. Und als jemand der fest an den Wert und den nachhaltigen Nutzen von Marken glaubt wie ich, auch für die Unternehmen selbst aktuell eine große Herausforderung. Der Mensch ist anerkanntermaßen ein Komfortzonen-Lebewesen und warum sollte man eingefahrene Wege verlassen, Arbeit und Mut aufbringen etwas zu ändern, wenn der wirtschaftliche Erfolg doch vermeintlich zeigt, dass man alles richtig macht. Diese Unternehmen meinen im Zuge ihres Erfolges häufig, alles Inhouse machen zu können und keinen Input mehr von außen zu benötigen. Für mich sehr „kurz gehüpft“, denn wir alle wissen, dass es auch wieder Zeiten geben wird in denen ebendiese Unternehmen nicht mehr aus dem Vollen schöpfen können und der internationale Wettbewerb seinen Tribut einfordern wird – der Leitartikel im Spiegel Nr. 20 vom 11.05.2019 mit dem Titel „Die fetten Jahre sind vorbei“ malt zu meiner Einschätzung ein passendes, sehr düsteres Bild. Ich höre schon das Jammern und Klagen, wenn Budgets zurückgefahren und die Fixkosten – sprich die Mitarbeiterzahlen – gesenkt werden müssen. Nicht dass Sie mich falsch verstehen, ich möchte hier nicht schwarzmalen, sondern beschreibe nur das ganz normale Auf und Ab der Wirtschaft, über das man in jedem BWL-Buch nachlesen kann, und das, glaubt man dem Autor des angesprochenen Artikels, zu einem nicht unerheblichen Teil der Selbstüberschätzung und Behäbigkeit deutscher Unternehmen geschuldet ist.



„Ich kann ... alles ... und besser!“

Was das mit einer Agentur wie b.p und mit dem angekündigten E-S-M-I Prinzip (Einen-Scheiß-Muss-Ich!) zu tun hat? Nicht erst seit gestern bemerke ich einen dramatischen Wandel in unserer Branche – der B2B Kommunikation. Einem Wandel, der sich für mich auch in einer zunehmend schwindenden Wertschätzung der Arbeit externer Partner zeigt. Einem Wandel, der meiner Einschätzung nach auch aus einer teilweise atemberaubenden Selbstüberschätzung der vermeintlichen Marketing-Spezialisten auf Unternehmensseite herrührt, die den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens als unkritische Dauerbestätigung ihrer Arbeit deuten. Dass Sie mich nicht falsch verstehen, ich habe keinerlei Probleme mit selbstbewusst auftretenden Menschen, es ist für mich in unserer Gesellschaft enorm wichtig, nein mehr noch – elementar – eigene Standpunkte zu haben und auch zu vertreten. Ich persönlich habe nur ein zunehmend größer werdendes Problem mit Menschen, die Ihre Sicht der Dinge als reine Wahrheit und unumstößliche Maxime verstehen – die keine Partner mehr suchen, sondern Erfüllungsgehilfen – die sich aber in ihren eigenen Hierarchie nicht durchsetzen können oder wollen. Die intern wie extern ein opportunistisches Muster des „nach oben Buckeln und nach unten Treten“ leben und externe Dienstleister als unterste Stufe der Leiter ansehen. Die möglichst unkritische Abwickler suchen, die ihr System nicht mit kritischen Fragen ins Wanken bringen.


Über den Sinn eines E-S-M-I Prinzips

Für Unternehmen wie wir es sind, bleiben da auf den ersten Blick nur zwei Möglichkeiten – mitmachen und sich unterordnen oder aufstehen und gehen. Fühlt sich ehrlich gesagt beides nicht wirklich gut an, daher plädiere ich für die konsequente und selbstbewusste Anwendung eines konstruktiven E-S-M-I Prinzips. Für ein Mehr an kritischer Selbstwahrnehmung und ein Mehr an kritischen Fragen. Für ein Mehr an angstfreiem Agieren der Dienstleister gegenüber den Auftraggebern. Oder kurz: Für ein Mehr an Haltung und dem gedachten oder gar ausgesprochenen E-S-M-I Prinzip. Wenn wir uns selbst als respektierter Partner unserer Kunden sehen wollen und ein „Ernst genommen werden“ einfordern, dürfen, nein müssen wir vielleicht sogar deutlich Stellung beziehen ... Opportunisten und Ja-Sager gibt es genug. Ich plädiere für eine Kultur der Offenheit, Wertschätzung und des Dialogs. Weg von einer klassischen und direktiven Kunde-Dienstleister Mentalität, hin zu einer wirklichen Partnerschaft auf Augenhöhe, die gegenseitig Kompetenzen, Perspektiven und Sichtweisen annehmen kann, mit dem Ziel gemeinsam etwas zu entwickeln. Steve Jobs hat das in Bezug auf Mitarbeiter einmal treffend so formuliert: „Es ergibt keinen Sinn, kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.“ Und ich denke genau das gleiche sollte für Dienstleister gelten.



* Aus: „Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich: Das Manifest gegen das schlechte Gewissen –
Aus dem Amerikanischen erfunden von Tommy Jaud“

Sie sehen das ganz anders – oder genau gleich? Wir sind gespannt auf Ihre Einschätzung

Michael Arnold

zur Übersicht

Standort Eppingen
Otto-Hahn-Straße 1
75031 Eppingen
Telefon +49 7262 9177-0
Telefax +49 7262 9177-77
epp(at)bloesch-partner.de

Standort München
Landsberger Straße 370a
80687 München
Telefon +49 89 15900832-0
Telefax +49 89 15900832-77
muc(at)bloesch-partner.de 

Standort Köln
Brühler Straße 97 
50968 Köln

Telefon +49 221 3466159-0
Telefax +49 221 3466159-1
koe(at)bloesch-partner.de 

Standort Hamburg
Australiastraße Schuppen 51B
20457 Hamburg
Telefon +49 40 284683-370
Telefax +49 40 284683-379
ham(at)bloesch-partner.de 

© blösch.partner | Impressum | Datenschutz | Newsletter